"Salute Organon" - Kinoinstallation zur Organspende

Zusammenfassung des Projektes


Im Vorfeld

Video-Trailer zur Videoperformance

 

Medienreaktion:

LVZ vom 17.01.2014: KLICK (pdf-Datei)


Im Nachgang

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Organspende als Kino-Installation 

„Salute, Organon“ von Carsten Ludwig und René Liebert bringt die ethischen Fragen rund um die Organspende in der Schaubühne als künstlerische Installation aufs Tapet – und es funktioniert. 

Von Torben Ibs 

Organspende und Kunst. In ihrer Kino-Installation „Salute, Organon“ bringen Carsten Ludwig und René Liebert beides zusammen und schaffen einen ganz eigenen Dokumentarraum, der verschiedene Sichtweisen zum Thema in einen virtuellen Dialog bringen und dabei keines der ethischen Dilemmata auslassen, die hier immer wieder auftauchen.

Überraschender Ausgangspunkt des Abends rund um die Fragen von Körper, Seele, Leben und weiterleben ist der griechische Mythos von der Geburt des Dionysos. Er ist der Sohn von Zeus und Semele einer Sterblichen. Diese will, auf Rat der eifersüchtigen Hera, Zeus in seiner wahren Gestalt sehen und stirbt unter Blitzen und Donnerkeilen. Zeus aber will das ungeborenen Kind retten und näht es in seinen Schenkel ein. Dionysos wird zweimal geboren. Auch die Kampagne für Blutspende wirbt mit dem Motiv der Wiedergeburt.

Hier aber geht es nicht um Blut, sondern ganze Organe, um Organspende. Die Spender können da meist nicht mehr gefragt werden, denn wenn es so weit ist, sind sie , außer im seltenen Fall der Lebendspende, zumeist hirntot. Die Entscheidung tragen die Angehörigen, das Organ bekommen wildfremde, todkranke Menschen. Die Dilemmata sind Legion und Ludwig und Liebert verarbeiten dies geschickt zu einer Doku-Installation, die den Rahmen eines Dokumentarfilms sprengt. 

In der Mitte des Raumen hängen zwei spitz zulaufende Paneele, die als Leinwände für Interviewszenen dienen, dahinter werden Bilder aus verlassenen Maschinenhallen projiziert – der Körper als Maschine, die verlassene Halle als Sinnbild der Hülle des hirntoten Menschen. Doch die tieferhängende Leinwand versperrt den Blick, das Bild bleibt Fragment. Der Überblick fehlt. Vorne links steht ein Modell von Stonehenge, das Modell für Unendlichkeit, doch will man ewig leben? Und wie lange leben ist genug? Und wer entscheidet das?

Zum Einlass dringen noch vereinzelte Maschinengeräusche und Klavier ans Ohr des Zuschauers, doch mit dem Zeus-Prolog ist da Schluss. Ein Helikopter erscheint und es spricht die Mutter des 22jährigen Martin. Ihr Sohn hatte einen tödlichen Unfall, ob er als Organspender bereit stände. Der Arzt erscheint auf der anderen Seite der Paneele, schildert seine Erinnerungen an den Vorgang. Der Dialog ist eröffnet. In diesem Format geht es weiter links, rechts, erst einer, dann zwei, am Ende sind bis zu zehn Gesichter gleichzeitig zu sehen. Menschen erzählen ihre Geschichten: vom Leben mit dem neuen Herzen, von der Angst der Mukoviszidose, von der Verantwortung des Arztes, von der Ablehnung, ihr Organ abzugeben. Der Abend stellt allgemeine Fragen und liefert individuelle Antworten.

„Ich fühle mich, wie an einer Bushaltestelle, an der kein Bus kommt“, beschreibt ein Patient sein Gefühl auf der Warteliste. Bei einem Anruf muss er sofort reagieren, sonst ist das Spenderorgan weg, ein anderer bekommt es. Der Tod erscheint hier als seltenes Gut und Glücksfall. Auf der anderen Seite steht die Krankenschwester von Krebspatienten, die aus ihrem christlichen Glauben heraus eine Organspende ablehnt, und erklärt: „Der Mensch ist mehr als die Summe seiner Organe.“

An einem Dummy wird die Prozedur zum Feststellen des Hirntodes erklärt, was sicher eine der kompliziertesten ethischen und rechtlichen Fragen ist, denn wann ist ein Mensch wirklich tot? Auch der Organspendeskandal um manipulierte Spenderlisten kommt zur Sprache. Carl Orffs „Carmina Burana“ zerschneidet die Themen-Blöcke und als im Hintergrund die Fabrikhallen durch Bilder aus den Küchen der Interviewten abgelöst werden durchzieht ein Geruch nach frischer Suppe den Raum. Ein eindrucksvoller, assoziativer Abend, der Ethik persönlich werden lässt. Alle Entscheidungen haben Folgen. Martins Mutter hat die Organe ihres Sohnes dann übrigens freigegeben.

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Zusammenfassung als Videotrailer

 

 

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Making-of der Veranstaltung

 

 

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 Die Veranstaltung wurde gefördert durch:

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